Gründung der Siedlung Transvaal

Das Ortswappen
Ursprung der Bevölkerung
Der Ortsname Vorhop
Die Ortsentwicklung
Geographie, Geologie, Topographie
Gründung der Siedlung Transvaal
Sagenhaftes aus der Region

Das spätere Transvaal hieß, als die ersten Siedlerstellen entstanden, noch ganz einfach „Am Boitzenhagener Weg“, weil es eben am selbigen lag.

Noch vor hundert Jahren befand sich das, in der Gemarkung Vorhop, ca. 3km vom Ort entfernt liegende, spätere Siedlungsgebiet in einem relativ unberührten Naturzustand zwischen dem Witten Moor und den Sandböden des Malloh. Für jede landwirtschaftliche Nutzung unzugänglich, trafen sich hier nur Naturfreunde und Jäger, die in diesem einsamen Gelände der Birkhahnjagd nachgingen. Das waren der Leiter des Naturhistorischen Museums in Braunschweig, Hermann Meerwarth, der bei dem Bankier und Auktionator Trippler in Knesebeck eine Jagdwohnung hatte und der Medizinalrat Oschatz aus Eschershausen bei Holzminden. Zu ihren Jagdgästen zählte auch der bekannte Heidedichter Hermann Löns. Ab 1908 gesellte sich zu diesem Trio noch der Apotheker Erich Kruse ebenfalls aus Eschershausen

Die Preußische Siedlungsgesellschaft hatte im Jahr 1908 vom Bauern Bartels und der Forst-interessentenschaft aus Vorhop die am Boitzenhagener Weg gelegenen Bruch-, Moor- und Sandflächen erworben, mit Dampfpflügen umgebrochen und kultiviert. Zunächst wurden 3 so genannte Kolonien mit je 15 ha Nutzfläche vergeben, die mit je einem Wohn- und Stallgebäude mit Scheunenteil bebaut waren. Als erste Siedler bezogen im Jahr 1909 Christian Henneicke, August Dörheide und Heinrich Kruse aus Knesebeck, der bei der späteren Namensgebung einen gewichtigen Anteil hatte, mit Ihren Familien die Siedlung.

Trotz der Landschaftszersiedlung blieb immer noch genügend Freiraum für die vier Freunde zur Ausübung der Jagd mit all ihren angenehmen Begleiterscheinungen wie z.B. das Nachbereiten der Jagd in geselliger Runde, das sicher auch Hermann Löns Stoff zu einigen seiner Geschichten  gegeben hat.

Bei dieser Gelegenheit sei auch ein  Brief erwähnt, den Hermann Löns im Winter 1911/12 an seinen Jagdfreund Dr. Oschatz-Eschershausen schrieb:

Für mich war Weihnachten und Neujahr böse. Auf Grund frauenrechtlicher Irrideen und hysterischer Monomanie verließ mich am 27. Juli meine Frau samt dem Kind und dem Geld, prozessierte mich, als ich ganz hin war von den vorangegangenen Szenen, in Grund und Boden, und so warf ich Habe, Heim, Stellung und Heimatland hinter mich und floh in die Schweiz, um nicht verrückt gemacht zu werden. Meine geliebte Haide sehe ich wohl nie wieder. Grüßen Sie bitte Herrn Kruse. Schönen Gruß, Ihr Hermann Löns. (gekürzt)

Zu dem Namen Transvaal kam es, weil der Siedler H. Kruse, der inzwischen eine Flaschenbierhandlung aufgemacht hatte, in der Gastwirtschaft Niebuhr in Eutzen einen zwischenzeitlich nach Südafrika ausgewanderten und zu Besuch weilenden ehemaligen Eutzener traf. Beide klagten sich gegenseitig ihr Leid, der eine aus wirtschaftlichen, der andere aus politischen Gründen nach dem verlorenen Burenkrieg 1899 – 1902 in Südafrika. Nach dem Genuss verschiedener Alkoholika begann man dann zu singen und dabei lernte Heinrich Kruse auch das Burenlied (Orange-Transvaal), das er dann mitnahm an den „Boitzenhagener Weg, wo man es bei jeder sich bietenden Gelegenheit sang, weil man sich ja selbst als die armen Buren von Transvaal bezeichnete. 1924 löste dann offiziell der Name „Transvaal“ den Begriff “Boitzenhagener Weg“ ab.

In den folgenden Jahren vergrößerte sich die Siedlung um die Familien Koch (1927), Puhahn (1929) und Karl Schulze. Zusätzlich entstand daneben eine auf private Basis angelegte so genannte Hühnerfarm. Nach dem 2. Weltkrieg wurden an der inzwischen ausgebauten Straße ins Wahrenholzer Moor weitere Einfamilienhäuser gebaut. Heute stagniert die Einwohnerzahl, da viele junge Familien aus Transvaal in die umliegenden Dörfer abgewandert sind.

Anlässlich des 75 jährigen Jubiläum im Jahr 1984 besuchte der in Bronkhorstruit-Transvaal geborene Leiter der Informationsabteilung der südafrikanischen Botschaft, Dr. Mulder die kleine Siedlung und überreichte im Hause Karl Schulze als Gastgeschenk Farbfotos von typischen Landschaften des südafrikanischen Transvaal.

Am Rande sei noch erwähnt, dass Transvaal bis zur Eingliederung in die Stadt Wittingen als Siedlung der Gemeinde Vorhop angehörte, noch heute als Teil des Ortes Vorhop gilt und die Einwohner eng in das Vereinsleben von Vorhop eingebunden sind.

Quelle: (Nachschrift eines Artikels des bekannten Historikers Theo Bosse aus dem Kreiskalender 1990, überarbeitet von W. Schulze)

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